Regionalverband Elbe-Heide

Heizen mit Holz

Heizen mit Holz ist gesundheits- und umweltschädlich

Vermeintlich klimaneutrales Heizen mit Holz ist gesundheitsschädlich. Das Heizen mit Holz in Festbrennstofföfen und -kaminen ist eine der Hauptquellen von Feinstaub und Ruß in unserer Atemluft. Holz als wichtigen Rohstoff zu verheizen ist viel zu schade und schadet letztlich auch dem Klima und der biologischen Vielfalt.

So rät das Umweltbundesamt (UBA) aus Klimaschutz-, Luftreinhalte- und ökologischen Gründen zu einem Verzicht auf die Nutzung von Holz zur Wärmeversorgung von Häusern. Als „knapp, teuer und unerwartet klimaschädlich“ haben die Scientists for Future (Juli 2022) den Einsatz von Holz zum Heizen bezeichnet. Die Auswirkungen der Holznutzung auf den Naturschutz und die biologische Vielfalt wurden in der Stellungnahme dabei sogar kaum berücksichtigt.

Stand: November 2022

Siehe auch die Pressemitteilung des Regionalverbandes Elbe-Heide vom 16.11.2022 sowie Beiträge im Lüne-Blog zum Heizen mit Holz.

Warum ist Heizen mit Holz gesundheitsschädlich?

Der Anteil der Holzfeuerung an der gesamten Feinstaubemission ist beträchtlich. Laut Umweltbundesamt übersteigen die Emissionen des Feinstaubs mit größeren Teilchen (Durchmesser weniger als 10 Mikrometer!) aus „Holzkleinfeuerungsanlagen mit 17,3 Tsd. t [...] in Deutschland mittlerweile“ die Auspuffemissionen aus dem Straßenverkehr (bei ca. 5,8 Tsd. t ).

Es gibt keine untere Grenze, bei der Feinstaub nicht mehr gesundheitsschädlich ist. Vor diesem Hintergrund hat die Weltgesundheitsorganisation WHO im September 2021 neue globale Luftgüteleitlinien mit strengeren Werten insbesondere beim Feinstaub verabschiedet. Der Wert beim Feinstaub mit kleineren Partikeln (PM 2,5) wurde auf höchstens fünf statt bisher zehn Mikrogramm pro Kubikmeter Luft verschärft, bei den etwas größeren Partikeln (PM 10) nun 15 statt bisher 20 Mikrogramm. In Lüneburg liegen die Werte an Feinstaub oft deutlich über den neuen WHO-Werten. Die zur Zeit geltenden EU-Grenzwerte - 25 Mikrogramm für Feinstaub aus kleineren und 40 Mikrogramm aus größeren Teilchen - sind veraltet und werden hoffentlich bald verschärft.

Laut WHO ließen sich weltweit „nahezu 80 % der Todesfälle im Zusammenhang mit [dem feineren Feinstaub] vermeiden, wenn die derzeitige Belastung durch Luftverschmutzung auf die in den Leitlinien vorgeschlagenen Werte gesenkt“ würde. Allein in Deutschland starben 2019 nach Schätzungen der Europäischen Umweltagentur ca. 53.800 Personen vorzeitig aufgrund der zu hohen Feinstaubbelastung (Quelle ZDF).

Insbesondere der für den Menschen besonders gefährliche Ultrafeinstaub kann in den Blutkreislauf eindringen und wird dann in verschiedene Organe verteilt, wo sie als chronische, winzige Entzündungsherde "Kettenreaktionen" in Gang setzen können, welche Herzinfarkt, Zuckerkrankheit und andere Leiden begünstigen und in verschiedenen Organen Krebs entstehen lassen oder begünstigen können (UBA). Seit kurzem weiß man nun sogar genauer, wie Luftverschmutzung, verursacht durch die Nutzung fossiler Brennstoffe, also auch durch das Heizen mit Holz (-Pellets), Lungenkrebs fördert (Quelle: taz)

Was sollte man machen, wenn man trotzdem mit Holz heizen will?

Wenn man Holz verheizt, sollte die Emission von Feinstaub soweit wie möglich verringert werden. Sogar neue marktübliche Öfen stoßen beim Zulassungstest im Labor deutlich mehr Feinstaub und Ruß aus als ein 20 Jahre altes Dieselauto. In der Praxis erzeugt ein Ofen oftmals ein Vielfaches der Schadstoffmenge, die im Labor gemessen wurde. Auch falsche Handhabung gefährdet oft die Gesundheit. „Es besteht ein klarer Zusammenhang zwischen Rauchgeruch und Luftverschmutzung durch Holzfeuerung. Übermäßiger Rauch und Geruch sind in der Regel auf Fehlbedienung oder gar Brennstoffmissbrauch zurückzuführen. “ (DUH Flyer, S.2).

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) empfiehlt deshalb nur Holzöfen zu betreiben, die den strengen Anforderungen des Blauen Engels für Kaminöfen genügen bzw. die mit einem Filter oder Staubabscheider ausgerüstet sind, für die es seit Januar 2022 ebenfalls einen Blauen Engel gibt. Wenn schon mit Holz geheizt wird, sollte dieses aus regionalen, nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammen, die aber durchaus auch kritisch gesehen werden kann (Quellen: taz, WWF). Weitere Tipps zum richtigen Heizen mit Holz gibt der Flyer "Kaminofen & Co" der DUH.

Zu bedenken ist dennoch, dass insbesondere bei der Verbrennung von verschiedenen Holzbrennstoffen aus nicht-nachhaltiger Forstwirtschaft fast doppelt so viel CO2 freigesetzt wird wie beim Einsatz von Gas, es steigt also die Menge an Kohlenstoff, die bei der Produktion von Wärme abgegeben wird (Quellen: WWF und Scientists for Future, S. 13-14).

Wo soll das ganze Holz herkommen? Warum ist das Verheizen von Holz viel zu schade?

Eine energetische Verwertung als wertvoller Rohstoff sollte erst am Ende einer Kaskadennutzung in langlebigen Gebrauchsgütern (z. B. Häuser, Möbel) erfolgen. Dürren und Waldbrände aufgrund des Klimawandels gefährden die Verfügbarkeit von Brennholz (vgl. Scientists for Future, S. 8-9). Wälder als natürliche CO₂-Senken und Lebensraum sind zum „Schutz der Artenvielfalt und unseres Klimas unersetzlich“, schreibt die Klimaallianz Deutschland, ein Bündnis deutscher Umwelt-und Entwicklungverbände 2020 in einer gemeinsamen Erklärung zur Verwertung von Holz als Biomasse. Waldökosysteme sind „für das lokale, regionale und globale Klima von größter Bedeutung“ und trotzdem sind die Wälder weltweit bedoht (vgl. Ibisch, P. u.a. 2021).

Die Verbrennung von Holz ist in der Regel nicht treibhausgasneutral, schon bei der Bereitstellung (Holzernte, Transport und Bearbeitung) entstehen Emissionen (UBA Ratgeber „Heizen mit Holz", S. 29), besonders wenn Holz aus anderen Teilen Europas und der Welt importiert wird.

Es geht zukünftig vor allem darum, Kohlenstoffdioxid langfristig zu speichern, etwa durch die Aufgabe der Nutzung in den besonders wertvollen Altwäldern mit großem Holzvorrat auf mindestens ein Drittel der Waldfläche, also durch die Schaffung von mehr Naturwäldern, aber auch durch adäquate Bodenbehandlung, nicht nur im Waldbau sondern auch in der Landwirtschaft sowie durch die Vernässung von ehemaligen Mooren, was deutlich mehr CO2 bindet als Wald.

Zitierte Quellen und Links mit weiteren Informationen

Kontakt:

Thomas Hapke


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