Regionalverband Elbe-Heide

BUND-Infostand auf dem Steller Wochenmarkt

Pressemitteilung vom 23.08.2020

Mittlerweile läuft bereits die dritte Planauslegung zur Ansiedlung des ALDI-Zentrallagers in der Gemeinde Stelle. Und wie zu erwarten macht die Gemeindeverwaltung es mit der dazu notwendigen Bekanntmachung 38/20 den Steller Bürgern möglichst schwer, die Möglichkeiten ihrer Einwände zu dem umstrittenen Vorhaben der ALDI-Ansiedlung zu erkennen. Die Aushänge zu dem Verfahren wurden nicht nur möglichst klein gedruckt, sondern auch in einigen Schaukästen der Gemeinde so platziert, dass sie nicht lesbar sind. Ein Hinweis darauf, zu welchen der dort aufgelisteten diversen Punkten der Bürger, jetzt in der 3. Auslegung noch Stellung nehmen kann, fehlt völlig. Einspruch ist von der Gemeinde wahrscheinlich auch nicht gewollt. Ein fairer Umgang mit den Einwohnern des Ortes sieht anders aus.
Die Ortsgruppe Stelle des BUND liefert hinsichtlich eines fairen Umgangs mit Gegnern und Befürwortern des ALDI-Projektes dagegen ein gutes Beispiel. Einige der Gruppenmitglieder stellen sich persönlich jeden Mittwoch- und Samstagvormittag den Fragen interessierter Mitbürger an einem Infostand am Steller Wochenmarkt. Hier können sich die Steller Bürger noch bis zum Ende der Einspruchsfrist der 3. Auslegung am 31. August 2020 über den aktuellen Stand des Projektes informieren und mit den Aktiven über alle relevanten und strittigen Punkte des Vorhabens offen diskutieren.
Die Standbesatzung auf dem Wochenmarkt berichtet bereits nach einigen „heißen“ Einsätzen in der ersten Augusthälfte über die positive Stimmung, mit der die Präsenz der BUND-Ortsgruppe von Interessenten des Themas aufgenommen wurde.
Neben Zuspruch zu der Initiative, ja es gab sogar einmal zum Dank einen Blumenstrauß, gab es zahlreiche interessante Gespräche zum Einfluss auf die künftige Entwicklung des Ortes. Kritisch wurden die zunehmende Belastung für die Anlieger der K 86 und die Gefahren für die vorschriftsmäßig die Fahrbahn benutzenden Radfahrer beurteilt. Nur wenige Standbesucher bekannten sich als entschiedene Befürworter der Errichtung des geplanten Zentrallagers. Sie glauben an die Schaffung neuer Arbeitsplätze, obwohl nicht anzunehmen ist, dass jetzt in Ohlendorf Beschäftigte aus dem bestehenden Arbeitsverhältnis ausscheiden werden, sofern sie nicht in den Ruhestand gehen. Von einer durch weitere Automatisierung verursachten Reduzierung der Zahl der Beschäftigten wollten einige auch nichts wissen.
Relativ oft wurde Unverständnis darüber geäußert, dass die Ratsmehrheit aus CDU und SPD immer noch an „das Märchen von den im hohen sechsstelligen Bereich versprochenen Steuereinnahmen für Stelle“ glaubt und dass die Mitglieder des Gemeinderates anscheinend noch nie etwas über Steuervermeidungsstrategien von Großkonzernen gehört haben.
Ebenfalls kritisch gesehen wird, dass nach dem Abriss des ehemaligen REWE- und Neubau des Netto-Marktes auch ALDI seine Steller Filiale abreißen und anschließend vergrößern will. Diese, durch die Steuergesetzgebung begünstigte Wertevernichtung, ist neben der „Modernisierung bestehender Filialen“ der Grund dafür, dass ALDI der Gemeinde Seevetal in den Jahren 2018 und 2019 laut Eigenauskunft keine Gewerbesteuern zahlte und wegen der Neu- und Umbaupläne auch in 2020 sowie wahrscheinlich noch geraume Zeit nicht zahlen wird. Bedauerlicherweise resignierten bereits viele Bürger, weil sich die CDU und SPD doch im Prinzip schon festgelegt hätten. Ein Bürger fasste seinen Unmut darüber in folgende Worte: „Der ganze Abwägungsprozess sei doch eine Farce, weil alles zugunsten von ALDI ausgewertet werde.“ Manchmal wurden die Aktiven gefragt, warum sie ihre Zeit opferten. Ihnen wurde geantwortet, dass man bereit sei, für seine Position einzutreten, den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern nicht scheue und offen für Fragen vorerst bis zum Monatsende zur Verfügung stehe - anders als die Ratsmehrheit aus CDU und SPD und die Gemeindeverwaltung.

 

BUND, Ortsgruppe Stelle
i. A. Hans Jürgen Boszek
Harburger Straße 35, 21435 Stelle


 

Protest wird bunter und munterer

Pressemitteilung vom 09.07.2020

Je länger die Noch-Mehrheit im Gemeinderat von Stelle das Projekt „Aldi-Logistikzentrum“ weiterverfolgt, desto bunter und munterer wird der Protest der Steller gegen das Bauvorhaben. Nun schmücken Bewohner ihre Zäune mit Bannern, die tagtäglich und sinnfällig den Politikern der Pro-Seite deutlich machen, welche Sorgen vielen Bürger und Bürgerinnen die augenblickliche Politik im Rathaus bereitet. Besonders Familien mit Kindern greifen zu diesem Mittel als Notwehr gegen die Politik der Lärmbelästigung, Luftverschmutzung und des erhöhten Verkehrsaufkommens.
Auch die Demonstrationen des BUND am 12. und 13. Juni brachten durch kreativ gestaltete Plakate, eingängige Sprüche und spontane Redebeiträge mehr Lebendigkeit in die Auseinandersetzung um das umstrittene Projekt. Wer seinen Protest offen am eigenen Leib zeigen will, kann ab sofort sich ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Kein 2. Zentrallager in Stelle!“ bedrucken lassen. Das „2.“ bezieht sich darauf, dass Stelle mit dem Zentrallager der Firma REWE bereits ein Lager vergleichbarer Größe hat, wie das nun von Aldi geplante. Der Copy Shop, Unter den Linden 1 / Ecke Harburger Straße, stellt den Aufdruck her.
In zwei Schaukästen können alle Steller die Argumente der Projektgegner lesen: vor den Häusern Harburger Straße 1 und 35. Die Harburger Straße würde am stärksten unter dem erwarteten Mehr-Verkehr durch das Zentrallager zu leiden haben.
Nun hat sich auch der Youtube-Kanal „Stelle Sendet“ des Themas angenommen. Er berichtet u.a. über die beiden letzten Demonstrationen und hat eine Reportage von Radio Zusa mit Filmaufnahmen illustriert.


BUND, Ortsgruppe Stelle
i. A. Thomas Rieckmann
Harburger Straße 35, 21435 Stelle


 

BUND widerlegt falsche Darstellungen von Aldi-Logistics-Director Peter Janda

Pressemitteilung vom 25.06.2020

Der Aldi-Logistics-Director Peter Janda erweckt mit seinen Pressemitteilungen und dem „Politikbrief“ an die Steller Kommunalpolitiker den Eindruck, dass zukünftig, nachdem alle Investitionen in zwei Jahren im Jahr 2022 abgeschlossen sind, die Gewerbesteuerzahlungen wieder sprudeln würden. Investitionen wirken sich allerdings nicht vollständig im Anschaffungsjahr aus, sondern werden über mehrere Jahre ertragsmindernd abgeschrieben. So werden die Investitionen in die Ladeneinrichtung über 8 Jahre abgeschrieben, die Modernisierung in den Fuhrpark über 9 Jahre für die LKWs und 11 Jahre für die LKW-Auflieger. Für Gebäudeneu- und -umbauten beträgt die Abschreibungsdauer sogar bis zu 33 Jahren. D.h., dass die Abschreibungen auf die derzeitigen Investitionen sich noch mindestens bis zum Jahr 2030 ertragsmindernd und somit gewerbesteuermindernd auswirken werden. Zudem betonte ein Aldi-Vertreter auf der vergangenen OEW-Ausschusssitzung, dass solche Investitions-programme zukünftig wiederholt vorkommen werden, um die Wettbewerbsfähigkeit ALDIs zu erhalten.
Weitere Ursachen für die derzeitigen geringen zu versteuernden Erträge sind nach ALDIs eigenen Angaben die seit Jahren wachsenden erhöhten Personalaufwendungen, hohe Werbe-aufwendungen und der starke Preiswettbewerb, so dass Kostenerhöhungen nicht an den Kunden weitergegeben werden können und die Marge für ALDI infolgedessen sinkt. Die genannten Ursachen werden vermutlich zusätzlich zu den hohen Abschreibungen auch in den nächsten Jahren Bestand haben und die Gewinne ALDIs belasten. Auch nach Abschluss des Investitionsprogramms im Jahr 2022 sind daher nach Ansicht des BUND die versprochenen signifikanten Gewerbesteuerzahlungen im sechsstelligen Bereich sehr kritisch zu beurteilen.
Klärungsbedürftig ist auch die Frage, ob die ALDI Immobilienverwaltung als Bauherr des neuen Zentrallagers die hohen Bau- und Erschließungskosten mittel- bis langfristig auf die Mietzahlungen umlegen wird? Das würde bedeuten, dass die Miete, die ALDI Seevetal später zahlen muss, einen wachsenden hohen Kostenfaktor darstellt, so dass infolgedessen die Aufwendungen von ALDI Seevetal steigen und die potentiellen Gewerbesteuereinnahmen für die Gemeinde Stelle weiter sinken oder sogar ausbleiben.
Die von ALDI im Politikbrief hervorgehobenen 450.000 Euro, die durchschnittlich von 2007 bis 2017 gezahlt wurden, sind äußerst geschönt dargestellt. Die beiden Jahre 2018 und 2019, in denen keine Gewerbesteuern gezahlt wurden, werden in dieser Berechnung einfach weggelassen, um die Gewerbesteuerzahlungen höher aussehen zu lassen. Eine Berück-sichtigung dieser beiden Jahre hätte zu einem deutlich geringeren Durchschnittswert geführt.
Besonders brisant für die Gemeinde Stelle ist, dass bereits im Jahr 2019 Gewerbe-steuerrückzahlungen aufgrund falscher Prognosen zu Gewerbesteuereinnahmen von anderen in Stelle ansässigen Unternehmen zu einem hohen Fehlbetrag im Gemeindehaushalt Stelle führten. Geht die Gemeinde Stelle nicht ein sehr hohes Risiko ein, wenn man ein weiteres Unternehmen mit nachweislich unsicheren Gewerbesteuerzahlungen ansiedelt? Ein Ausgleich der Fehlbeträge durch diverse Gewerbesteuerzahler mit einem vielfältigen Branchenmix wird durch die ausschließliche Ansiedlung des ALDI-Zentrallagers verhindert.

Auch sehr brisant: der Geschäftsführer von Aldi-Seevetal behauptete noch am 01. Mai 2018 im Elbe-Geest-Wochenblatt, dass Aldi nennenswerte sechsstellige Gewerbesteuerzahlungen leistet, obwohl im gleichen Jahr nachweislich keinerlei Gewerbesteuerzahlungen an die Gemeinde Seevetal gezahlt wurden. Entweder hat Herr Lo Giudice zu der Zeit noch nicht gewusst, dass seine Firma Verluste schreibt, was angesichts der negativen Geschäftsentwicklung in den Vorjahren und des laufenden Modernisierungsprogramms zumindest zweifelhaft ist, oder er hat wider besseren Wissens unhaltbare Versprechungen gegeben. Daraus ergibt sich die Frage, inwiefern können die Steller BürgerInnen den aktuellen Versprechungen von ALDI Glauben schenken?
Des Weiteren behauptet Peter Janda, dass die ALDI-LKW antizyklisch fahren würden. Auch das ist aus Sicht des BUND mehr als zweifelhaft, wenn nach den Zahlen des Verkehrsgutachtens in der morgendlichen Pendlerzeit zwischen 6 Uhr und 10 Uhr alle zwei Minuten ein LKW das Aldi-Zentrallager in Stelle an- oder abfahren wird. In der morgendlichen Spitzenstunde erhöht sich das LKW-Aufkommen auf der K86 von Maschen kommend in Richtung Osten sogar von 78 LKW auf 103 LKW durch die Aldi-Ansiedlung. Ist eine Steigerung von 32% des LKW-Verkehrs in der Zeit mit dem höchsten Verkehrsaufkommen am Morgen wirklich antizyklisch?
Zu den Fehlinformationen passt es auch, wenn Herr Janda behauptet, dass die Gebäudehöhe von 14,20 Meter „weit unter dem bleibt, was der Bebauungsplan zulässt“. Der Bebauungsplan lässt eine Gesamthöhe von 16 Meter zu. Wie kommt er da zu der Behauptung, dass die maximale Höhe „weit“ unterschritten wird? In der Begründung zum Bebauungsplan wird sogar festgestellt, dass die 16 Meter möglicherweise durch konstruktiv bedingte Dachaufbauten, geänderte Dachneigungen oder durch bauliche Modernisierungsmaßnahmen nachträglich ausgeschöpft werden könnten.
Außerdem stellt der ALDI Logistics-Director es so dar, dass „ein Großteil der Ausgleichsflächen in Stelle und Umgebung liegt“. Das ist insofern ebenfalls eine Fehlinformation, weil die großflächigen Ausgleichsmaßnahmen für die teilweise Zerstörung des §30-Biotops „Penne-kuhle“ im Brettbachtal der Gemeinde Jesteburg in einer Entfernung von rund 20 Kilometer geplant sind. Die Entfernung von 20 Kilometern gehört sicher nicht zur näheren Umgebung von Stelle, so dass die Vorteile für die Steller Bevölkerung und die Steller Natur gleich Null sind.
Zusammenfassend kommt der BUND zum Ergebnis, dass ALDI seine bisher schon häufiger feststellbaren Fehlinformationen der Öffentlichkeit weiter fortsetzt und die nötige Transparenz ausbleibt. Seit Mai 2019 lässt die Firma ALDI viele Fragen der Bürger/innen unbeantwortet.


 

BUND bietet Gemeinde technische Hilfe bei Übertragung der OEWA-Sitzung an

Pressemitteilung / Brief an den Bürgermeister

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Isernhagen,

welche Lösung haben Sie vorbereitet für den Fall, dass zu der OEWA-Sitzung am 17.6.2020 mehr Einwohner kommen, als die Sporthalle - entsprechend den Pandemie-Regeln - aufnehmen kann? Sollten Sie keine Lösung vorbereitet haben und einfach hinzunehmen gedenken, dass interessierte Bürger vor der Tür stehen blieben, ohne den  Sitzungsverlauf verfolgen und ohne ihre Fragen stellen zu können, bieten wir eine Lösung an. Wir würden eine Audio- und Video-Aufnahme der Sitzung anfertigen und diese ins Netz stellen, so dass jeder Steller und jede Stellerin jederzeit sehen und hören kann, was während der Sitzung verhandelt wurde. Wir haben das nötige Equipment, das Know-how und einen Kanal, der die Aufnahme senden würde. Wir würden diese Dienstleistung kostenlos erbringen – um die Demokratie in Stelle zu stärken.

Bitte geben Sie uns Bescheid über Ihre Entscheidung zu diesem Angebot. Wir werden auch ohne Ihre Entscheidung mit dem Equipment zu der Sitzung kommen, falls plötzlich unser Angebot zur Verwirklichung gelangen würde. Wir stehen jederzeit bereit. Da Sitzungen des Kreistages von Zuschauern aufgenommen werden dürfen, wenn niemand widerspricht, sollte analog dazu auch in Stelle verfahren werden. Falls die Zustimmung aller Ausschussmitglieder erforderlich ist, bitten wir um Einholung des Einvernehmens, ggf. schon vor der Sitzung.

 

Vielen Dank und

mit freundlichen Grüßen

Thomas Rieckmann

I.A. BUND-Ortsgruppe Stelle

Harburger Straße 35

21435 Stelle


 

BUND-Regionalverband reicht Fachaufsichtsbeschwerde beim Umweltminister Olaf Lies ein

Pressemitteilung vom 15.06.2020 - ( Fachaufsichtsbeschwerde im Anhang)

Der BUND-Regionalverband hat beim Niedersächsischen Umweltministerium als Oberster Naturschutzbehörde eine Fachaufsichtsbeschwerde gegen die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Harburg eingereicht, da sie die Genehmigung der teilweisen Zerstörung des gesetzlich geschützten Feuchtbiotops „Pennekuhle“ in Stelle mit einer nicht nachvollzieh-baren und zweifelhaften Begründung erteilt hat. Sie steht im Widerspruch zu den Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes. Gleichlautend ist auch eine Dienstaufsichtsbeschwerde an Landrat Rempe gegangen.
Die Naturschutzbehörde des Landkreises hatte ihren Bescheid damit begründet, dass das Aldi-Lager aus Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses, einschließlich solcher sozialer und wirtschaftlicher Art, notwendig ist. Es werden dabei positive Wirtschaftseffekte wie zusätzliche Steuereinnahmen und Arbeitsplätze erwartet.
Diese Begründung ist für den BUND nicht nachvollziehbar, da
1. vermutlich keine zusätzlichen Steuereinnahmen erzielt werden. 2018 hat der Vorhabenträger keine Gewerbesteuern an die Gemeinde Seevetal, in der der Vorgängerbetrieb liegt, gezahlt. Auch für 2019 und die Folgejahre werden ähnliche Ergebnisse von ALDI selbst prognostiziert. Erst nach Aufdeckung dieser Zahlen im Mai 2020 durch den BUND gab Aldi dieses Steueraufkommen zu. Noch 2018 hatte der Geschäftsführer von ALDI-Seevetal Steuereinnahmen „im höheren sechsstelligen Bereich“ im Elbe-Geest-Wochenblatt (Ausgabe 1.5.2018) versprochen - also getäuscht!
2. Der Vorhabenträger kann nicht nachweisen, dass neue Arbeitsplätze entstehen, da die Arbeitsplätze nur vom jetzigen Lager im 6 km entfernten Ohlendorf nach Stelle verlagert werden. Das wird in den derzeit von der Gemeinde veröffentlichten Abwägungstabellen zum Bebauungsplanverfahren auch ausdrücklich bestätigt und die Hoffnung verbreitet, dass im Zuge der natürlichen Fluktuation auch möglicherweise Steller Einwohner eingestellt werden.
Es kann daher bei beiden Punkten in keiner Weise nachvollzogen werden, dass ein über-wiegendes öffentliches Interesse besteht. Hier liegt also eine falsche Begründung vor, die zu Lasten des Naturschutzes geht. Weiterhin ist nicht nachzuvollziehen, wieso bei der Prüfung die überdimensionierte Kreiselplanung nicht beanstandet wurde. Das bedeutet, dass die obersten Prinzipen der Eingriffsregelung des Naturschutzgesetzes, die Eingriffsvermeidung und die Eingriffsminderung, hier nicht angewandt wurden und damit die Untere Naturschutzbehörde gegen geltendes Recht verstoßen hat.
Bei einem Kreiseldurchmesser von 45 m hätte die Untere Naturschutzbehörde Einspruch erheben und eine Eingriffsminderung fordern müssen, da 40 m standardmäßig an der obere Grenze der Richtwerte für außerörtliche Kreisverkehre liegen. Da die Grenzen bei der Unterschutzstellung sehr eng und präzise gezogen wurden, darf eine Naturschutzbehörde keinen Quadratmeter opfern, weder von der Biotopfläche selbst noch von der Pufferfläche! Der betroffene Bereich gehört zu den quelligen Teilflächen, die den Sumpf aus tieferen Schichten mit Wasser versorgen. Gerade angesichts der aktuellen Trockenheit in Norddeutschland ist dieser Aspekt besonders wichtig.
Bei einer Verringerung der Flächeninanspruchnahme des Kreisverkehrs hätten im Übrigen auch möglicherweise die beiden großen Eichen am Rand des § 30 Biotops gerettet werden können, die 1,2 bis 1,3 m Stammdurchmesser aufweisen und damit ca. 300 Jahre alt sind. Außerdem ist davon auszugehen, dass bei geringerer Versiegelungsrate auch die Quellfunktion des verbleibenden Quellbiotops geringer beeinträchtigt würde.
Außerdem hätte die Naturschutzbehörde bei einer sorgfältigen Prüfung erkennen müssen, dass die vorgesehene Vermeidungsmaßnahme, die Anlage von 3 Versickerungsteichen, völlig unzureichend ist. Die Hauptströmungsrichtung des Grundwassers geht nach Norden. Damit sind zwei der Teiche fehlplatziert, da sie nördlich bzw. weiter nordöstlich der Pennekuhle liegen und deshalb deren Grundwasserstand nicht positiv beeinflussen können. Hier wird eine Vermeidungs- bzw. Minderungsmaßnahme vorgeschlagen, die ihre Wirkung verfehlt.
Das unbelastete Dachflächenwasser wird nur in den unwirksamen nordöstlichen Teich geleitet, während in den anderen beiden Teichen das stark belastete Oberflächenwasser der Erschließungsflächen gesammelt wird. Tausalzrückstände und Schwermetalle können nicht durch Rückhaltebecken ausgefiltert werden und gelangen so in die Pennekuhle.
Man muss also von einer starken Schädigung des Feuchtbiotops in der Pennekuhle ausgehen. Nach einer Kartierung des Biologen Jürgen Feder, die der BUND 2018 veranlasst hat, sind allein durch die Beeinträchtigung des Wasserhaushaltes mehrere Rote-Liste-Arten der vorkommenden Pflanzen in ihrem Bestand gefährdet. Das bedeutet letztlich einen totalen Verlust der vorhandenen Wertigkeit des Feuchtwaldbiotopes.
Die Behauptung in dem Befreiungsantrag „Das infiltrierte Wasser aus den Versickerungsbecken durchströmt laut Modellrechnung die Teiche des Feuchtgebietes nicht.“ ist angesichts der Hauptströmungsrichtung stark anzuzweifeln, da die wertvollen Biotopflächen genau in der nördlich gerichteten Abströmung des Grundwassers liegen. Die UNB hätte eine Überprüfung dieser Aussage verlangen müssen.
Die von der UNB genehmigte Kompensation im Brettbachtal der Gemeinde Jesteburg erkennt der BUND nicht an, da die Pennekuhle ein Teil der Erholungslandschaft für die Bevölkerung von Stelle ist. Man kann keinen Teil von Stelle nach Jesteburg verpflanzen. Der BUND stellt sich die Frage, wieso hierfür Waldumwandlungsflächen aus dem Landkreis-Pool in Jesteburg herangezogen werden und nicht eingriffsnähere Ausgleichspotenziale in Stelle. Zusammenfassend wird vom BUND-Sprecher Ingo Wolde festgestellt, „dass die Untere Naturschutzbehörde mit ihrer Entscheidung dem Vertrauen der Bevölkerung in die Zuverlässigkeit des staatlichen Naturschutzes schweren Schaden zugefügt hat. Der BUND fordert vom Niedersächsischen Umweltministerium eine Überprüfung und Rücknahme der Entscheidung und erwartet, dass die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises für ihre Fehlentscheidung gerügt und die Entscheidung für unwirksam erklärt wird.“

gez. Ingo Wolde
i.A. BUND-Regionalverband Elbe-Heide

Hier finden Sie die komplette Fachaufsichtsbeschwerde


 

Demonstrationen gegen das geplante Zentrallager in Stelle Freitag und Sonnabend

Pressemitteilung vom 09.06.2020

Unter dem Motto „Wenn’s erst steht, ist’s zu spät!“ veranstaltet der BUND zwei Demonstrationen am Freitag, 12. Juni, um 16.00 Uhr und Sonnabend, 13.Juni, um 11.00 Uhr. Treffpunkt ist der Parkplatz Harburger Straße 35 vor dem Geschäft „Taraxacum“. Besonderer Anlass ist die Sitzung des Fachausschusses des Gemeinderats, der am Mittwoch, 17. Juni, abwägen soll, wie er die Einwendungen von Bürgern und Bürgerinnen gegen das Projekt bewertet. 2018 hatten 86 Bürger/innen und 2019 sogar 377 ihre Bedenken schriftlich bei der Gemeinde eingereicht. Jetzt liegen Vorschläge zur Beurteilung dieser Einwendungen vor. Das Ergebnis dieser Sitzung kann eine Empfehlung an den Rat sein, endgültig über den Bebauungsplan zu entscheiden.
Alle Steller sind herzlich aufgerufen, an den Demonstrationen teilzunehmen. Die Zahl der Teilnehmer ist nicht begrenzt, aber Mund-Nasen-Schutz ist zu tragen und der Abstand von 1,50 m zwischen Personen (ist) einzuhalten. Wir empfehlen allen Stellern, im Rathaus und auf der Website der Gemeinde sich zu informieren, welche Abwägungsvorschläge zu ihren Eingaben jetzt vorliegen. Wer damit nicht zufrieden ist, sollte entsprechende Fragen an den Ausschuss am 17.6. vorbereiten oder sie schon vorher einem Ratsmitglied stellen. Der Ausschuss tagt ab 19.00 Uhr öffentlich in der Schulsporthalle, Büllerberg 15A. Auch wer keine Frage hat, sollte sich dieses historische Ereignis nicht entgehen lassen – live!

BUND, Ortsgruppe Stelle
i. A. Thomas Rieckmann
Harburger Straße 35, 21435 Stelle


 

BUND Ortsgruppe Stelle: ALDI-Seevetal zahlte 2018 Null Euro Gewerbesteuer

Pressemitteilung vom 26.05.2020 - (Jahresabschlüsse sowie Informationen zum Gewerbesteueraufkommen in Form einer Mail im Anhang)

Sehr geehrte Damen und Herren,

der BUND Stelle hat bei seinen Recherchen im Bundesanzeiger festgestellt, dass Aldi-Seevetal für das Geschäftsjahr 2018 an die Gemeinde 2018 keine Gewerbesteuern entrichtet hat. Schon seit 2015 waren die Zahlungen von Jahr zu Jahr zurückgegangen. Die Zahlen für 2019 sind noch nicht veröffentlicht. Der negative Jahresabschluss wird von Aldi u.a. mit dem voraussichtlich noch einige Jahre laufenden Modernisierungsprogramm für alle Filialen begründet. Diese wichtigen Informationen hat die BUND-Ortsgruppe jetzt allen Ratsmitgliedern und dem Bürgermeister in einem Brief (s. Anlage) mitgeteilt.

Damit entkräftet der BUND Stelle die hohen Erwartungen an mögliche Gewerbesteuereinnahmen durch die geplante Ansiedlung des Aldi-Zentrallagers.

Wir bitten um Kenntnisnahme und Veröffentlichung des anliegenden Briefes an den Bürgermeister und die Ratsmitglieder der Gemeinde Stelle.

 

Vielen Dank und

mit freundlichen Grüßen

Maik Ehlers und Joachim Markwardt

i.A. BUND-Ortsgruppe Stelle

Harburger Straße 35

21435 Stelle

  • Jahresabschluss 2015 Hier
  • Jahresabschluss 2016 Hier
  • Jahresabschluss 2017 Hier
  • Jahresabschluss 2018 Hier
  • Informationen zum Gewerbesteueraufkommen Hier

*Quelle: Bundesanzeiger

 


 

Erwiderung des BUND auf den Artikel im Wochenblatt Elbe & Geest vom 29.04.2020 „Der BUND hat Angst- aber wovor eigentlich?“

Pressemitteilung vom 03.05.2020 (Leserbrief im Anhang)

Herr Adamczak versucht mit dem Begriff „Angst“, die Bedenken des BUND ins Lächerliche bzw. ins Krankhafte zu ziehen und damit zu diffamieren. Ja, Herr Adamczak, wir und auch viele Steller Bürger/innen sind wirklich besorgt, dass eine objektive Entscheidung für oder gegen die geplante ALDI-Ansiedlung nicht mehr stattfinden wird und der sogenannte „Abwägungsprozess“ zur Farce verkommt. Wir befürchten, dass der öffentliche Widerstand gegen das umstrittene Bauvorhaben unter dem „Corona-Versammlungsverbot“ erstickt und die Befürworter im Gemeinderat die Gunst der Stunde nutzen werden, um das mittlerweile als lästig empfundene Thema im Eiltempo durchzuwinken.
Dass Herr A. sich über die berechtigten Bedenken lustig macht, lässt vermuten, dass er die viel-schichtigen Probleme und Risiken, die mit der geplanten Ansiedlung eines zweiten großen Logistiklagers einhergehen, nicht erkannt bzw. verstanden hat. Stattdessen empfiehlt er sich und seine SPD als Problemlöser.
Die bisherige Bilanz fällt allerdings aus Sicht des BUND eher erschreckend aus:
Gesetzlich denkmalgeschütztes 4.000 Jahre altes Hügelgrab - Ihre Antwort: Kann weg!
Gesetzlich unter Naturschutz stehender Quellwald „Pennekuhle“: Weg damit, wird irgendwo ausgeglichen!
Verkehrsproblem in Maschen: Bis zu 424 zusätzliche LKW (+ 330 PKW) pro Tag gehen lt. Gutachten gerade noch!
Unverhältnismäßig hoher Flächenverbrauch pro Arbeitsplatz: Spielt keine Rolle!
2.300 Unterschriften gegen das Projekt von Steller Bürger(inne)n: Können ignoriert werden!
Mehr als 300 Bürger-Einwendungen im Abwägungsprozess: Alles noch zumutbar!
Herr A. glaubt anscheinend nicht nur an unseren Rechtsstaat, sondern auch an eine verlässliche, jährliche ALDI-Gewerbesteuereinnahme für Stelle im hohen 6-stelligen Bereich, an neue Arbeitsplätze, die irgendwann einmal entstehen könnten und an die von ALDI bezahlten Gutachten und nicht einklagbaren Versprechungen.
Für Herrn A. zählen die besseren Argumente? Welche nachweisbaren Argumente sprechen denn wirklich für die Ansiedlung eines weiteren großen Zentrallagers in Stelle, wenn es schon wegen der Verlagerung von Ohlendorf keine neuen Arbeitsplätze gibt? Eine Antwort darauf wäre der richtige Weg, einer vermeintlichen Hysterie, Angst und Panikmache entgegenzutreten. So bleibt es nur unbedacht und zynisch, in Ermangelung von Argumenten Andersdenkende zu verunglimpfen und berechtigte Bedenken ins Lächerliche zu ziehen.
Vielleicht sollte eher Herr Adamczak Angst davor haben, dass er und seine SPD bei der nächsten Kommunalwahl in der Bedeutungslosigkeit versinken könnten? Nämlich dann, wenn Stelle schon in der geplanten 2-jährigen Bauphase im Verkehr, Lärm und Staub erstickt und sich die Wähler(innen) an die verantwortlichen Entscheidungsträger im Rat und ihre „Problemlösungen“ erinnern werden?
Gestatten Sie uns auch einen Rat:
Stimmen Sie gegen die geplante Ansiedlung eines weiteren großen Logistikzentrums in Stelle!

BUND, Ortsgruppe Stelle
Harburger Straße 35, 21435 Stelle

Hier finden Sie den dazugehörigen Leserbrief des BUNDs - Wochenblatt

Quelle: Kreiszeitung-Wochenblatt, Ausgabe vom 13.05.2020,Seite 6


 

Botanische Führung mit Jürgen Feder verschoben

Pressemitteilung vom 20.04.2020

Die für den 25. April geplante pflanzenkundliche Führung mit Jürgen Feder bei Stelle ist wegen der Corona-Pandemie zunächst verschoben worden. Der BUND hatte sich besonders glücklich geschätzt, einen der äußerst begehrten Termine mit dem aus dem Fernsehen bekannten „Extrem-Botaniker“ bekommen zu haben. Wegen seiner witzigen und unterhaltsamen Art sind Führungen mit Feder immer sehr beliebt und stets ausgebucht. Dabei ist Feders Fachwissen unter Botanikern deutschlandweit anerkannt. Selbst auf Autobahnen, Bahngeländen und Industriegebieten findet er seltene Pflanzenarten, die Unkundigen oft als „Unkraut“ erscheinen.
So hat Feder im Auftrag des BUND 2018 eine gutachterliche Stellungnahme für eine 20 ha große Fläche bei Stelle verfasst, in der 188 kartierte Pflanzenarten aufgeführt werden, u.a. seltene und geschützte Arten.
Wann der neue Termin stattfinden wird, wird rechtzeitig bekannt gegeben.

Thomas Rieckmann
i.A. BUND, Ortsgruppe Stelle
Harburger Straße 35, 21435 Stelle


 

BUND fordert erneute Auslegung des Bebauungsplanes zum ALDI-Zentrallager

Pressemitteilung vom 30.03.2020

Der BUND Stelle hatte in einer Pressemitteilung vom 11. März über die Schließung des ALDI-Zentrallagers in Beverstedt informiert und darauf hingewiesen, dass die bisher vorliegenden Verkehrs-, Lärm- und Luftschadstoff-Gutachten im Bebauungsplanverfahren zum ALDI-Zentrallager in Stelle auch in Anbetracht dieser Entwicklung veraltet sind. Die Gutachten dürfen demnach nicht mehr im bevorstehenden Abwägungsprozess verwendet werden.
Nach den Pressemeldungen in der letzten Woche (Winsener Anzeiger vom 26.3.20) hat die Fa. ALDI reagiert und neue Verkehrs- und Lärmgutachten in Auftrag gegeben. Das bisher bekannte Ergebnis kann allerdings die Befürchtungen zusätzlicher Belastungen für den geplanten Standort in Stelle nicht ausräumen. So sollen durch „antizyklische Fahrzeiten“ die LKW-Verkehrsströme aus den Hauptverkehrszeiten herausgehalten werden. D.h. natürlich auch, dass die Belastungen schon zu erwarten sind, aber nur anders verteilt werden sollen. Das hat zur Folge, dass die Anlieger in Zukunft den ganzen Tag über (oder etwa auch nachts?) zusätzliche Belastungen auf sich nehmen müssen. Es ist nicht zu erwarten, dass der Lieferverkehr zu verkehrsintensiven Zeiten ruhen soll, denn im Logistikgeschäft ist der Grundsatz "Just in time" für den Erfolg jedes Unternehmens entscheidend. Schließlich steht Aldi mit anderen Konkurrenten in einem scharfen Wettbewerb. Die jetzt von Aldi gemachten Versprechungen von "antizyklischen" Einsätzen seiner Laster sind daher völlig unglaubwürdig, da sie betriebs-wirtschaftlich unsinnig wären. Ganz abgesehen davon, dass diese Lösung viel verspricht, sich aber kaum kontrollieren lässt.
Außerdem sollen durch Ummarkierungen an der Autobahnauffahrt in Maschen (s. anliegendes Foto) die Belastungen für Stelle reduziert werden. Auf diesen Lösungsvorschlag kann man nun wirklich gespannt sein, denn die bisherigen, mehrfach durchgeführten Ummarkierungen haben bekanntermaßen nicht zu einer Entlastung des Knotenpunktes in Maschen geführt und eine Erweiterung der Spuren ist durch die angrenzenden Privatgrundstücke nicht realisierbar. Das war auch der Grund, weswegen nicht nur der BUND, sondern auch die Landesstraßen-baubehörden einen umsetzbaren Lösungsvorschlag im laufenden Planverfahren gefordert haben. Ohne eine Lösung dieses Verkehrskonfliktes darf der Bebauungsplan nicht von der Gemeinde Stelle beschlossen werden, denn ein Bebauungsplan muss für alle zu erwartenden Konflikte eine Lösung aufzeigen.
Durch die jetzt anscheinend aktualisierten Gutachten ist auf jeden Fall eine andere Situation im Planverfahren entstanden, die von den Bürgern und auch vom BUND im Hinblick auf ihre wahrzunehmenden Interessen neu zu beurteilen ist. Der BUND Stelle fordert daher eine erneute Auslegung der Planunterlagen, um allen Bürgern eine detaillierte Prüfung zu ermöglichen.

Caroline Vick
i.A. BUND, Ortsgruppe Stelle
Harburger Straße 35, 21435 Stelle


 

ALDI Nord schließt weitere Zentrallager

Pressemitteilung vom 11.03.2020

 BUND befürchtet massive Auswirkungen auf den geplanten Standort Stelle

Bürgermeister Isernhagen hat angekündigt, die Abwägungsunterlagen zum Bauprojekt ALDI-Logistikzentrum im Laufe des März den Mitgliedern des Gemeinderates von Stelle vorzulegen. Doch schon jetzt zeigt sich, dass diese überholt sind. Denn: durch die Schließung des ALDI-Zentrallagers in Beverstedt bei Bremerhaven Ende 2020 soll auch das Zentrallager Seevetal-Ohlendorf teilweise die Belieferung der ca. 60 ALDI-Märkte im Raum Stade – Cuxhaven – Rotenburg – Bremerhaven – Bremen-Nord übernehmen. Das Lager Ohlendorf soll bekanntlich durch einen Neubau in Stelle zwischen Harburger Straße und Bardenweg/Kurzer Heide ersetzt werden.
Eine Umverteilung von Beverstedt nach Seevetal würde für ein neues Nachfolge-Lager in Stelle bedeuten: noch mehr LKW-Verkehr zwischen Stelle und dem Autobahn-Anschluss Maschen, wo schon heute Staus den Verkehrsfluss behindern. Um die zu erwartenden Verstopfungen auf der K 86 zu meiden („Zeit ist Geld“), ist zu befürchten, dass der Lieferverkehr auf die Autobahn-Ausfahrt Winsen-West oder andere (mautfreie) Verkehrswege ausweichen wird. Rollen die LKW dann auch durch Ashausen und Stelle? Wird auch die schon vorgesehene Erweiterungsoption für eine zusätzliche Lagerfläche zeitnah von ALDI eingefordert werden?
Für den BUND heißt das: das bisher von uns beschriebene Risiko für die Wohnqualität der Steller Bevölkerung wird weiter steigen: mehr Lärm, mehr Abgas, mehr krebserregender Abrieb von Reifen und Bremsbelägen in unserer Atemluft!
Der BUND Stelle hat den Bürgermeister und den Gemeinderat bereits über die Schließung des Zentrallagers in Beverstedt informiert und darauf hingewiesen, dass die im Rahmen der 2017 vorgenommenen Umweltverträglichkeitsprüfung erstellten Verkehrs-, Lärm- und Luftschadstoff-Gutachten auch in Anbetracht dieser Entwicklung veraltet sind und nicht mehr im bevorstehenden Abwägungsprozess verwendet werden können.
Da die Schließung in Beverstedt nicht die einzige im Aldi-Nord-Imperium ist (Greiz in Thüringen und Schwelm in Westfalen wurden 2019 geschlossen, Berlin-Reinickendorf schließt 2020), sind auch Fragen nach der Geschäftspolitik und der Solidität des Unternehmens angebracht. Der BUND hat bereits mehrfach darauf hingewiesen, welche Risiken und Abhängigkeiten entstehen können, wenn eine große Gewerbefläche nur an einen Investor vergeben wird (www.bund-elbe-heide.de).
Der BUND Stelle fragt: Was ist, wenn Aldi auch das Lager Stelle aufgibt? Was ist, wenn ALDI die Vereinbarungen im angestrebten städtebaulichen Vertrag nicht einhält? Wer kann wohl die besseren Anwälte bezahlen, wenn Vertragsverletzungen einzuklagen sind – die kleine Gemeinde Stelle oder ein großer Konzern wie ALDI?

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Rieckmann,
i.A. BUND, Ortsgruppe Stelle


 

BUND reicht Fachaufsichtsbeschwerde gegen die Denkmalschutzbehörde ein

Pressemitteilung vom 29.02.2020

Entscheidung zur Zerstörung des Hügelgrabes ist widersprüchlich und nicht nachvollziehbar


Der BUND beruft sich in seiner Tätigkeit auf die Ziele des Naturschutzes, die im Bundesnatur-schutzgesetz festgehalten sind, dort heißt es u.a.: “Zur dauerhaften Sicherung der Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie des Erholungswertes von Natur und Landschaft sind insbesondere Natur-landschaften und historisch gewachsene Kulturlandschaften, auch mit ihren Kultur-, Bau- und Bodendenkmälern, vor Verunstaltung, Zersiedelung und sonstigen Beeinträchtigungen zu be-wahren.“ (§1, Nr.4)
Vor diesem Hintergrund hat der Regionalverband des BUND eine Fachaufsichtsbeschwerde bei der Obersten Denkmalschutzbehörde, dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, und eine Dienstaufsichtsbeschwerde beim Landkreis Harburg eingereicht, nach dem die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises in ihrer Entscheidung vom 5.11.2019 die Zerstörung des Hügelgrabes in Fachenfelde-Süd freigegeben hatte. Das Hügelgrab soll der Ansiedlung eines Zentrallagers der Fa. ALDI weichen, für das derzeit ein Bebauungsplan aufgestellt wird.
Nach Auffassung des BUND muss ein „zwingendes Erfordernis“ (§7 Abs. 2 NDSchG) bestehen, um den bestehenden Denkmalschutz für das Bodendenkmal aufzuheben. Diese Position haben auch die Denkmalschutzbehörden in ihren ursprünglichen Stellungnahmen zum Bebauungsplan vertreten (s. Anlage). Wenn sie jetzt in ihrer letzten Entscheidung diese Position aufgeben, könnte das darauf hindeuten, dass der Investor, die Gemeinde und möglicherweise auch die Landkreisspitze selbst, massiv Druck auf die Untere Denkmalschutzbehörde ausgeübt haben. Denn nach Auffassung des BUND besteht nach wie vor kein zwingendes Erfordernis zur Ansiedlung eines zweiten Zentrallagers ausgerechnet in Stelle:

  •  Es gibt bereits ein Zentrallager mit allen Negativauswirkungen wie Lärm und Verkehr
  •  Der Standort in Hanglage am Geestrand ist für ein Lagergebäude in diesen riesigen Dimensionen völlig ungeeignet.
  •  Ein gesetzlich geschütztes Biotop („Pennekuhle“) wird teilweise zerstört.
  •  Es werden keine neuen Arbeitsplätze geschaffen, sondern nur von Ohlendorf verlagert.
  •  Es gibt einen großen Bedarf an Gewerbeflächen auch mit arbeitsplatzintensiven Betrieben (s. Anlage Hamburger Abendblatt vom 30.1.20), insofern gibt es genügend alternative Ansiedlungs-möglichkeiten, bei denen das Hügelgrab nicht zerstört werden müsste.

Deshalb ist es auch völlig unerheblich, in welchem Zustand sich das Hügelgrab derzeit befindet. Dass es in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts schon teilweise geräumt wurde, war den Denkmalschutzbehörden auch schon bei der Unterschutzstellung bekannt. Trotzdem haben sie bisher immer den besonderen Wert des Hügelgrabes betont. Das kann jetzt nicht als vorgeschobene Begründung für die Zerstörung herhalten!
Bitte zitieren Sie gern aus unserer Beschwerde, die wir im Anhang mitschicken.
Danke!


Mit freundlichen Grüßen
Thomas Rieckmann,
i.A. BUND, Ortsgruppe Stelle


 

BUND Stelle fordert Beteiligung an Workshops zum Flächennutzungsplan

Pressemitteilung vom 19.02.2020

Nach Pressemeldungen (s. Anlage: WA vom 14.11.2019) sollen zur Vorbereitung der Neuaufstellung des Flächennutzungsplans von Stelle „Workshops“ veranstaltet werden. Der BUND Stelle hält diese Vorgehensweise grundsätzlich für richtig und sinnvoll, fordert aber in einem Brief an Bürgermeister Isernhagen (s. Anlage) eine stärkere Beteiligung der Steller BürgerInnen sowie der örtlichen Vereine und Interessengruppen. Der BUND Stelle würde gern daran teilnehmen, um die Interessen des Natur- und Landschaftsschutzes zu vertreten und seine Expertise in die Beratungen einbringen. Der BUND legt großen Wert darauf, dass die Workshops von externen Beratern moderiert sowie natur- und landschaftsverträgliche Perspektiven für die Entwicklung des Ortes bis 2040 gemeinsam erarbeitet werden.
gez. Caroline Vick und Joachim Markwardt
i.A. BUND, Ortsgruppe Stelle

Anhang: hier

Der Brief an den Bürgermeister ist hier einzusehen.


 

Jetzt wissen alle Steller Bescheid!

Pressemitteilung vom 11.12.2019


In einem vierseitigen Faltblatt hat der BUND Stelle jetzt alle seine Argumente gegen den Bau eines Zwischenlagers für 80 Supermärkte in Norddeutschland zusammen-gestellt. Das Informationsblatt wurde im November als Beilage im Monatsblatt „Unser Stelle“ an alle Haushalte der Gemeinde verteilt. Übersichtlich, anschaulich und allgemeinverständlich weist der BUND auf die Gefahren für die Gesundheit aller Steller sowie auf die wirtschaftlichen Risiken für die Gemeinde hin. Alle Informationen sind belegt durch Angabe der Quellen, sodass jeder Leser deren Stichhaltigkeit selbst überprüfen kann. Damit liegen jetzt alle wichtigen Fakten auf dem Tisch.


Neben Gesundheitsrisiken weist der BUND auf das Risiko der Abhängigkeit von einem einzigen Großkonzern hin, das sich ergibt, wenn im Gemeindehaushalt eingeplante hohe Einnahmen von Gewerbesteuern plötzlich ausfallen, weil der Konzern Verlust macht (wie Aldi-Nord in 2018). Ein solches Ereignis hat in der Stadt Mülheim zu einer Ausgabensperre geführt (Quelle: WAZ Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 15.02.2018). Das kann die Handlungsfreiheit der Politik erheblich einschränken und Vorhaben verzögern oder verhindern.


Interessant ist in diesen Zusammenhang auch ein Bericht der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung über den geplanten Bau eines Logistikzentrums von Aldi in der Gemeinde Aligse bei Hannover:


www.haz.de/Umland/Lehrte/Lehrte-Debatte-um-Aldi-Logistikzentrum-spitzt-sich-politisch-zu
In Aligse verweigert die CDU ihre Zustimmung zu dem Projekt mit ähnlichen Argumenten wie der BUND in Stelle. Der BUND hat deshalb diesen Bericht inzwischen allen Mitgliedern des Gemeinderates von Stelle, die per Email-Adresse erreichbar sind, per Mail gesendet.


Uns wurde empfohlen, wir sollten uns nur mit Naturschutz befassen – nicht mit wirtschaftlichen oder politischen Fragen. Aber wenn die Gesundheit der Bevölkerung durch Lärm, Abgase und Abrieb von Reifen und Bremsbelägen genau aus der Hauptwindrichtung bedroht ist, muss die Umwelt der betroffenen Menschen geschützt werden. Der BUND fühlt sich verantwortlich dafür, die Umwelt der Menschen gesund zu erhalten.


 

BUND warnt vor Ablenkung!

Pressemitteilung vom 28.11.2019

Wir können nicht nachvollziehen, warum die „Denkmalschutzbehörde“ das 4000 Jahre alte Hügelgrab zwischen Bardenweg und Pennekuhle, das unter gesetzlichem Denkmalschutz steht, nicht vor der Zerstörung schützt. Die Behörde hatte wiederholt – und fachkundig begründet - erklärt, dass das Grab erhalten werden müsse – auch wenn es schon beschädigt ist. Darum wünschen wir die Veröffentlichung des Bescheides der Behörde, damit alle StellerInnen die Gründe für diese unver-ständliche Entscheidung lesen können. Die Nachricht von dem Zerstörungsbescheid ändert aber nicht unsere Einschätzung der hohen Bedeutung dieses wertvollen Kulturdenkmals und mindert nicht unseren Einsatz für den Erhalt.


Der Winsener Anzeiger berichtete, dass der Bürgermeister den Bescheid noch prüfen wolle. Das öffnet Raum für Vermutungen.... Ist er so kompliziert oder unklar? Enthält er Risiken für die Gemeinde? Greifen die Befürworter und Aldi die Idee des BUND auf, andere Bodendenkmale auf der Kurzen Heide und auf dem Oldendörpsfeld öffentlich in Wert zu setzen durch Aufstellen von Informationstafeln - ähnlich wie in Ashausen und Maschen? Das würden wir natürlich begrüßen. Aber als Ausgleich für die Zerstörung des jetzt umstrittenen Hügelgrabs würden wir das nicht akzeptieren. Eine Entschuldigung für den angerichteten Schaden wäre das jedenfalls nicht. Wir warnen die Steller davor, sich von solcher Ablenkung blenden zu lassen. Erkennen und durchschauen Sie dies als Trostpflaster! Man kennt das aus anderen Gemeinden, wo ein Investor für einen schweren Eingriff in die Landschaft der Gemeinde etwas schenkt, um von dem Schaden des Eingriffs abzulenken.


Die historischen Funde am Grasweg halten wir auch für schützenswert, deshalb haben wir sie ja in die Route unserer heimatkundlichen Führung am 26. Oktober mit einbezogen. Ihre Beseitigung halten wir auch für bedenklich, aber der Bebauungsplan Grasweg-West ist rechtskräftig, und hier gab es kein denkmalgeschütztes Hügelgrab. Selbst die Archäologen sagten uns, dass eine Erhaltung an dem Ort schwierig sei. Anders am Bardenweg: dieser Grabhügel ist seit Langem ein eingetragenes Denkmal, und es gibt keinen rechtskräftigen Bebauungsplan. Hier war Protest angebracht - bis die Denkmalschutzbehörde einknickte. Das wohl älteste Zeugnis unserer Herkunft ist jedoch noch lange nicht verloren, denn das Verfahren des Bauprojektes sieht noch etliche gesetzlich vorgeschriebene Schritte vor, die das ganze Projekt noch kippen können.


Wir halten es für selbstverständlich, dass der Bürgermeister bemüht ist, seine Hausaufgaben gründlich zu machen. Aber in dieser Lage, in der Stelle sich jetzt befindet, ist es die HAUPTAUFGABE des Bürgermeisters, mehr Offenheit in den Entscheidungsprozess zu bringen und im gespaltenen Dorf zu vermitteln, damit im Streit um das „Sondergebiet“ nicht Zwietracht das Zusammenleben in der Gemeinde
belastet. Diese Hausaufgabe halten wir für die wichtigste, damit nicht der Eindruck entsteht, der Bürgermeister wolle das Projekt im Schulterschluss mit Aldi durchdrücken.

 

www.bund-elbe-heide.de/ort-stelle
Email: stelle@bund-elbe-heide.de
Thomas Rieckmann
BUND Ortsgruppe Stelle


 

Hat Stelle die zweitälteste Eiche im Landkreis Harburg?

Pressemitteilung vom 11.11.2019

Der BUND Stelle dankt der Unteren Naturschutzbehörde dafür, dass sie unserem Hinweis vom 5.9.2018 auf den Verstoß gegen den Landschaftsschutz im Gewerbegebiet Fachenfelde nachgegangen ist, und dem Recht wieder Geltung verschafft hat. Ferner erkennen wir an, dass die Gemeinde Stelle größere Schutzzonen für die beiden Eichen (Naturdenkmale seit 1936) festgeschrieben und zur Bedingung für den Betrieb von Gewerbe auf den Grundstücken festgesetzt hat (WA-Bericht vom 24.10.2019).


Inzwischen haben wir die Stämme der beiden Eichen im Brustbereich vor Erwachsenen vermessen: die nördlich stehende Eiche misst einen Umfang von 5,25 m und die südliche, weiter im Gewerbegebiet stehende misst 5,50 m. Nach dem „Baumalter-schätz-o-meter“ (https://www.baumportal.de) entspricht das einem geschätzten Alter von 414 bzw. 433 Jahren. Das könnte bedeuten, dass Stelle nach Bötersheim die zweitälteste Eiche im Landkreis Harburg hat. In einem Bericht von 1970 hatte der WA geschrieben, dass die Eichen ca. 500 Jahre alt seien.


Aufgrund dieser Daten hält der BUND die jetzt getroffenen Maßnahmen für nicht ausreichend. Denn da Jahre lang vor unserem Hinweis vom 5.9.2018 die Bestimmungen des Landschaftsschutzes nicht durchgesetzt worden waren und der Wurzelbereich einer Eiche z.T. versiegelt war, befürchten wir, dass auch in Zukunft die Naturdenkmale nicht genügend geschützt bleiben. Wir fordern, dass die beiden Eichen zusammen mit den anderen zwei, die halb auf der Grenze des Gewerbegebietes stehen und ebenfalls seit 1936 geschützt sind, als zusammenhängende Baumgruppe als Naturdenkmal ausgewiesen werden und der gesamte Standort der Baumgruppe aus der Festsetzung „Gewerbegebiet“ im Bebauungsplan Fachenfelde-West ausgegrenzt wird.


Die Gemeinde sollte stolz darauf sein, dass sie solche Besonderheiten besitzt, und sie daher wirksamer schützen. Das geht nach unseren bisherigen Erfahrungen nur durch eine zusammenhängende Schutzausweisung, die ganz aus dem Gewerbe-gebiet herausgenommen wird. Es war ein großer Fehler, dass die Gemeinde in den 1970er Jahren die Grenze des Gewerbegebietes so gezogen hat, dass die Naturdenkmale zwischen Betrieben eingezwängt wurden. Wir unterstützen daher einen entsprechenden Antrag der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen an den Gemeinderat.


Ein weiterer Grund für unsere Skepsis ist, dass bis heute die Wurzelbereiche von 17 Eichen (Alter ca. 200 Jahre) der Fachenfelder Allee, die unter Landschaftsschutz steht, fast bis an den Stamm überbaut sind von einem Gerüstbaubetrieb. Da die Gemeinde diesen Frevel offenbar genehmigt oder jedenfalls geduldet hat, haben wir
Grund zu der Befürchtung, dass auch künftig im Gewerbegebiet die Belange des Naturschutzes hinter die Interessen der Betriebe gestellt werden. Daher kann nur eine klar markierte Grenze wirksamen Schutz bieten.


Die Ausweisung und stetige Erweiterung des Gewerbegebietes Fachenfelde seit den 1970er Jahren hat oft Belange des Naturschutzes übergangen. So wurden ökologisch wertvolle Feuchtgebiete überbaut, wodurch Lebensräume z.B. der Kreuzkröte (nach der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie und Bundesnaturschutzgesetz: streng zu schützende Art!), des Bärlapps (Heilkraut) und des Knabenkrauts (Orchideenart) vernichtet wurden.

 

www.bund-elbe-heide.de/ort-stelle
Email: stelle@bund-elbe-heide.de
Thomas Rieckmann
BUND Ortsgruppe Stelle
Anlage: Fotos der zweitältesten Eiche des Landkreises in Stelle

Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises Harburg

hier der volle Bericht zur Einsicht: Dienstaufsichtsbeschwerde


 

Eine Stellungnahme der Bodendenkmalpflege aus dem Jahr 2017

hier einzusehen

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