Übersicht

Seit 1982 fördert die Firma Hamburg Wasser Grundwasser in der Lüneburger Heide zur Versorgung von Kunden in Hamburg. Die 1974 dafür erteilte Genehmigung ist im Jahre 2004 ausgelaufen. Diese genehmigte Menge wurde nie ausgeschöpft,  Seit dem fördert Hamburg Wasser mit einer Sondergenehmigung von maximal 15,7 Millionen Kubikmetern pro Jahr der damaligen Lüneburger Bezirksregierung weiter Grundwasser. 

Nachdem ein erster Anschlussantrag zur Grundwasserförderung durch Hamburg Wasser aufgrund fachlicher Mängel 2009 gescheitert war reicht jetzt (Stand Dezember 2014) Hamburg Wasser einen neuen Antrag über 30 Jahre Grundwasserförderung in der Lüneburger Heide ein.

Ziel dieses Antrags ist es die aktuelle Fördermenge von maximal 15,7 Millionen Kubikmetern pro Jahr auf durchschnittliche Fördermenge von 16,7 Millionen Kubikmetern und eine maximale Fördermenge von 18,1 Millionen Kubikmetern zu steigern - und dies auf einen Zeitraum von 30 Jahren also bis ca. ins Jahr 2045.

Die Kernforderungen des BUND 

Häufig gestellte Fragen zum Grundwasserverfahren von Hamburg Wasser

Fachliche Hintergrunde zu den Auswirkungen einer Grundwasserförderung auf Natur und Umwelt 

 

Ansprechpartner bei Fragen zum Thema:

Holger Mayer

Tel.: 04172 / 9 878 598

Email: holger.mayer@bund.net


 

 

 

Pressemitteilung vom 3.2.2016 : Arbeitskreis der Naturschutzverbände fordert Brunnenstillegung im Hamburg Wasser Verfahren

PRESSEMITTEILUNG

Thema: Grundwasserförderung Hamburg Wasser

Region: Niedersachsen / Landkreis Harburg

Hintergrund: Wasserrechtsantrag

Eyendorf, 3.2.2016

Die Mitglieder des Arbeitskreises der Naturschutzverbände im Landkreis Harburg fordern den Landkreis auf, die vorliegende Übergangserlaubnis für Hamburg Wasser zur Grundwasserförderung zu überprüfen und in Folge für die Restzeit des aktuellen Genehmigungsverfahrens Hamburg Wasser die Erlaubnis der Förderung durch die Brunnen W9, W10, W11 und W12 im Nahbereich des Weseler Baches und des Weseler Moorbaches zu entziehen. Für Hamburg Wasser muss ebenfalls zwischenzeitlich die erlaubte Gesamtfördermenge um die bisher durch diese Brunnen geförderte Menge Wasser (1,8 Mio. m3/a)  auf dann erlaubte 13,8 Mio m3/a reduziert werden bis der Nachweis geführt wurde, dass eine Verschlechterung gegenüber dem Urzustand vor Förderbeginn 1983 nicht stattfindet.

In den Jahrzehnten seit Aufnahme der Grundwasserförderung durch Hamburg Wasser haben Bewohner des Landkreises Harburg häufiger eine reduzierte Wassermenge oder ein Trockenfallen von Bäche und Quellen im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide beobachtet. Ein Zusammenhang mit der Grundwasserförderung  wurde seitens Hamburg Wasser über 30 Jahre in der Regel bestritten.

Im Gewässergütebericht des NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) aus dem Jahre 2000 wurden dem Weseler Moorbach sowohl im Unterlauf wie im Oberlauf ein streckenweises Trockenfallen attestiert. Im Wasserkörperblatt September 2012 des NLWKN wird beiden Gewässern eine gravierende Abflussreduzierung attestiert. Die Ursachen wurden jeweils als unbekannt bezeichnet.

In den Bewilligungsanträgen von Hamburg Wasser aus den Jahren 2009 und 2015 wurden Abflussreduzierungen d.h. reduzierte Wassermengen in den Bächen nicht mehr bestritten, aber deren Auswirkungen auf Natur und Umwelt relativiert und verharmlost. Wesentliche bekannte Schädigungsbereiche wurden im Antrag 2015 vom Antragsteller bewusst nicht untersucht und bewertet.

Wie der BUND e.V. in seiner Stellungnahme im aktuellen Wasserrechtsverfahren dargelegt hat, sind abflussreduzierende Auswirkungen der Grundwasserförderung durch Hamburg Wasser nicht nur, wie vom Antragsteller beschrieben, im Unterlauf des Weseler Baches möglich, sondern auch in vom Antragsteller nicht untersuchten Gewässerabschnitten von Weseler Bach und Weseler Moorbach vorhanden. Der Antragsteller hat zum zweiten Mal nach 2009 bei der Antragserstellung die notwendige Sorgfalt hinsichtlich einer Auswirkungsuntersuchung vermissen lassen.

Gewässer im FFH-Gebiet Lüneburger Heide wurden und würden gemäß aktuellem Antrag zunehmend geschädigt, eine Analyse der Ursachen wird seitens des Antragstellers ausdrücklich vermieden. Laut EUGH-Urteil C-461/13 sind Verschlechterungen gemäß Wasserrahmenrichtlinie um eine Klasse oder innerhalb der schlechtesten Klasse nicht zulässig. Ein Förderung gemäß beantragtem Förderkonzept würde für die Brunnen im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide eine Erhöhung der Fördermengen bedeuten, beim Brunnen W12 im schlechtesten Fall bis zur vierfachen heutigen Menge,  die in Folge zu einer weiteren Reduzierung des Wassers in Weseler Bach und Weseler Moorbach führen würden. Trocken fallende Bäche sind als schlechteste Kategorie gemäß Wasserrahmenrichtlinie zu bewerten. Also wäre eine Förderung gemäß aktuellem Konzept nicht zulässig.

Aus diesem Grunde haben die Mitglieder des Arbeitskreises der Naturschutzverbände im Landkreis Harburg den Landkreis aufgefordert, die vorliegende Übergangserlaubnis für Hamburg Wasser zur Grundwasserförderung zu überprüfen und für die Restzeit des aktuellen Genehmigungsverfahrens Hamburg Wasser die Erlaubnis der Förderung durch die Brunnen W9, W10, W11 und W12 im Nahbereich des Weseler Baches und des Weseler Moorbaches zu entziehen. In Folge ist die für Hamburg Wasser erlaubte Gesamtfördermenge um die bisher durch diese Brunnen geförderte Menge Wasser (1,8 Mio. m3/a)  auf dann erlaubte 13,8 Mio m3/a zu reduzieren bis der Nachweis von Hamburg Wasser erbracht wurde, dass eine Verschlechterung gegenüber dem Urzustand vor Förderbeginn 1983 nicht nicht stattfindet.

Der Arbeitskreis der Naturschutzverbände im Landkreis Harburg besteht aus

  • Naturschutzbund Deutschland (NABU)
  • Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
  • Arbeitskreis Naturschutz Tostedt 
  • Landessportfischerverband Niedersachen (LSFV) 
  • Schutzgemeinschaft Deutscher Wald
  • Naturschutzverband Lüneburger Heide

die sich im Arbeitskreis treffen um Positionen im Natur- und Umweltschutz gemeinsam zu erörtern, abzustimmen und in der Öffentlichkeit zu vertreten.